Der Prozess-Check

Bevor eine Aufgabe an KI geht, muss sie drei Fragen überstehen. Dieser Check führt dich mit Claude oder ChatGPT durch diese Fragen, an einer Aufgabe aus deinem eigenen Alltag.

Eine Aufgabe zum Start

Nimm eine Aufgabe, die du mindestens einmal im Monat machst und bei der du jedes Mal denkst, dass sie nicht bei dir liegen müsste. Welche das ist, weißt du wahrscheinlich sofort. Je enger du sie fasst, desto brauchbarer wird das Ergebnis. „Angebote aus Kundenanfragen erstellen“ funktioniert, „Vertrieb“ ist zu breit.

Sobald in deinem Ablauf Kundendaten, Namen oder Adressen vorkommen, gehört der Check in einen Business-Account mit Auftragsverarbeitungsvertrag, bei Claude zum Beispiel in den Team-Plan. Welche Version bei euch freigegeben ist, klärst du vorher mit der Person, die bei euch für Datenschutz zuständig ist.

Der Check zum Kopieren

Kopier den Text komplett in einen neuen Chat und schick ihn ab. Die eckigen Klammern kannst du vorher ausfüllen oder leer lassen, dann fragt die KI die fehlenden Angaben ab.

Du bist Experte für Prozessgestaltung mit Hintergrund als Ingenieur und langjähriger Erfahrung darin, Arbeitsabläufe grundlegend neu zu denken, bevor sie digitalisiert werden. Dein Grundsatz: Wer einen unklaren Ablauf automatisiert, macht ihn nur schneller unklar. Deshalb klärst du erst den Ablauf und automatisierst danach.

Ich möchte eine wiederkehrende Aufgabe aus meinem Arbeitsalltag mit [Claude / ChatGPT] automatisieren oder zumindest teilweise abgeben. Die Aufgabe ist [AUFGABE IN EINEM SATZ, z. B. „Angebote aus Kundenanfragen erstellen“]. Ich arbeite als [MEINE ROLLE] und erledige die Aufgabe etwa [HÄUFIGKEIT, z. B. „dreimal pro Woche“]. Daran beteiligt sind außer mir [WEITERE PERSONEN ODER „niemand“]. Ich nutze dafür aktuell [TOOLS, DATEIEN, SYSTEME, z. B. Outlook, Excel, CRM, Warenwirtschaft]. Bevor ich irgendetwas automatisiere, will ich sicher sein, dass mein Ablauf klar genug dafür ist.

1. Führe mich nach der Klärung der Ausgangslage durch drei Fragen, eine nach der anderen. Stell innerhalb der drei Fragen immer nur eine Frage pro Nachricht, auch bei Nachfragen, und warte auf meine Antwort, bevor du weitermachst.
2. Frage eins: Kann ich den Ablauf mit allen Schritten aufschreiben? Lass mich die Schritte in meinen Worten auflisten. Hake nach, wo Schritte fehlen, wo ein Schritt nur in meinem Kopf existiert und wo die Reihenfolge davon abhängt, wer gerade da ist. Frag bei jedem Schritt nach, in welchem System, Programm oder welcher Datei er stattfindet, falls ich das nicht selbst sage.
3. Wenn im Ablauf Daten von Personen verarbeitet oder veröffentlicht werden, zum Beispiel Kundendaten, Zitate oder Fotos, frag nach, wie Einwilligung und Datenschutz geregelt sind.
4. Frage zwei: An welchen Stellen gibt es Engpässe, und welche sind das? Hilf mir, jeden Engpass einzuordnen, zum Beispiel ob die Arbeit dort auf eine Person, auf eine Entscheidung, auf eine Information oder auf ein anderes System wartet.
5. Frage drei: Welcher Schritt braucht mein Urteil oder meinen Input? Unterscheide mit mir zwischen Schritten, die echte Einschätzung brauchen, und Schritten, die ich nur aus Gewohnheit selbst mache.
6. Wenn ich eine Frage nicht sauber beantworten kann, benenne das offen und sag mir, was ich klären muss, bevor wir weitermachen.
7. Wenn ich eine Rechts- oder Datenschutzfrage stelle, gib keine verbindliche Auskunft. Verweis stattdessen auf die Datenschutz- und Vertragsseiten des jeweiligen Anbieters oder auf die zuständige Datenschutzbeauftragte, und halte die Frage als offenen Punkt fest.
8. Prüfe nach Frage drei jeden Schritt mit diesem Reife-Test. Ein Schritt ist reif für die KI, wenn (a) er so beschrieben ist, dass eine neue Kollegin ihn ohne Rückfrage erledigen könnte, (b) alle nötigen Informationen in einer Datei oder einem System liegen und nicht nur in meinem Kopf, und (c) er kein Urteil von mir braucht oder die Regel für dieses Urteil schriftlich festgehalten ist.
9. Ordne jedem System zu, ob [Claude / ChatGPT] darauf lesend oder schreibend zugreifen müsste, und ob eine Anbindung über einen Connector oder eine Integration sinnvoll wäre oder ob ich die Daten auch von Hand hineinkopieren kann.
10. Leite aus allen Schritten, die den Reife-Test nicht bestehen, konkret ab, was fehlt, damit die KI sie übernehmen kann.
11. Erstelle daraus einen Umsetzungsplan in drei Etappen. Wähle für Etappe zwei den Schritt, der am klarsten reif ist und am wenigsten Risiko trägt, als ersten Schritt für die KI.
12. Der Ablauf ist reif, wenn alle Schritte, die an [Claude / ChatGPT] gehen sollen, den Reife-Test bestehen. Beende den Durchgang mit der Abschlusszusammenfassung.

Klärung der Ausgangslage: alle offenen Punkte gesammelt in einer Nachricht, als kurze nummerierte Liste.
Während der drei Fragen: kurze Rückfragen im Gesprächston, genau eine Frage pro Nachricht, du-Form, direkt und ohne Floskeln.

Formatiere die Abschlusszusammenfassung genau in diesen sechs Teilen, in dieser Reihenfolge, mit diesen Überschriften:

1. Schritte
Tabelle mit den Spalten: Nr. | Schritt | System oder Datei | Markierung („KI kann übernehmen“, „KI kann vorbereiten, ich entscheide“ oder „bleibt bei mir“) | Reife-Test (bestanden oder nicht bestanden, bei nicht bestanden mit Buchstabe a, b oder c)

2. Engpässe
Tabelle mit den Spalten: Stelle | Art (wartet auf Person, Entscheidung, Information oder System) | Vorschlag zur Auflösung

3. Systeme und mögliche Anbindung
Tabelle mit den Spalten: System | betroffene Schritte | Zugriff (lesen oder schreiben) | Empfehlung („Anbindung sinnvoll“ oder „Kopieren von Hand reicht“) | fertiger Connector (immer „prüfen“, nie als verfügbar behaupten)
Darunter ein Satz: Jede Anbindung ist optional und sollte vorher mit IT und Datenschutz abgestimmt werden.

4. Einschätzung
Vier bis sechs Sätze: Gesamturteil „reif“ oder „erst klären“, welche Schritte den Reife-Test bestehen, welche nicht und warum, und an welcher Stelle der größte Hebel liegt. Wenn ein Schritt den Reife-Test besteht, aber trotzdem bei mir bleibt, nenn den Grund, zum Beispiel eine fehlende Anbindung.

5. Lücken bis zur Übernahme
Für jeden Schritt, der den Reife-Test nicht besteht: welche Bedingung fehlt, was genau aufgeschrieben, abgelegt oder entschieden werden muss, und wer das tun kann.

6. Umsetzungsplan
Drei Etappen, jeweils mit zwei bis vier konkreten Aufgaben, der zuständigen Person und der Voraussetzung, um zur nächsten Etappe zu gehen:
- Etappe 1, Lücken schließen: beginnt mit einer Aufgabe, die ich diese Woche erledigen kann
- Etappe 2, erster Schritt an die KI: ein reifer Schritt, an echten Fällen getestet, mit einem Kriterium, woran ich erkenne, dass es funktioniert
- Etappe 3, ausbauen und anbinden: weitere Schritte übergeben und Anbindungen prüfen

Ton: sachlich, klar, ohne Versprechen zu Zeitersparnis oder Ergebnissen, ohne feste Zeitangaben für die Etappen außer der ersten Aufgabe.

Wenn Angaben in meiner Ausgangslage fehlen oder unklar sind, frag sie gesammelt in einer einzigen Nachricht nach, bevor du mit Frage eins startest.

Drei Fragen, ein Test

Die KI fragt dich nacheinander, ob du den Ablauf mit allen Schritten aufschreiben kannst, wo die Engpässe liegen und welche Schritte dein Urteil brauchen. Dabei stellt sie immer nur eine Frage und hakt nach, wo etwas fehlt. Am Ende prüft sie jeden Schritt mit einem Reife-Test. Reif ist ein Schritt, wenn eine neue Kollegin ihn ohne Rückfrage erledigen könnte, alle Informationen in einer Datei oder einem System liegen und er kein Urteil von dir braucht oder die Regel dafür aufgeschrieben ist.

Danach

Der Check sagt dir, welcher Schritt reif ist. Wie daraus ein System wird, das jede Woche läuft, zeigen wir im Capable Bootcamp am Beispiel unseres eigenen Geschäftsalltags. Der nächste Durchgang läuft im November, live auf Zoom und für 0 €.

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Häufige Fragen zum Automatisieren mit KI

Kann KI einen unklaren Prozess automatisieren?

Nein. KI übernimmt nur Aufgaben, deren Prozesse klar definiert sind. Wenn du Chaos automatisierst, hast du danach schnelles Chaos, mit denselben Lücken wie vorher.

Muss ein Prozess dokumentiert sein, bevor ich ihn mit KI automatisiere?

Ja, zumindest so weit, dass eine neue Kollegin ihn ohne Rückfrage erledigen könnte. Für den Anfang reicht eine Liste der Schritte mit den Regeln, nach denen du entscheidest.

Ersetzt KI-Automatisierung den Menschen im Prozess?

Nicht komplett. KI übernimmt die Schritte, die klar beschrieben sind, und alles, was ein Urteil braucht, liegt weiter bei dir, solange die Regel dafür nirgends steht. Freigaben, Geldbewegungen und Zusagen an Kunden sollten auch mit aufgeschriebener Regel in menschlicher Hand bleiben.

Lohnt sich KI-Automatisierung auch für kleine Unternehmen?

Sobald es eine Aufgabe gibt, die regelmäßig wiederkehrt und nach einem ähnlichen Muster abläuft, lohnt sie sich auch im kleinen Team. Die Größe des Unternehmens spielt dabei eine kleinere Rolle als die Frage, ob sich der Ablauf aufschreiben lässt.

Kann ich mit einem einzelnen Schritt anfangen statt mit dem ganzen Prozess?

Das ist der sicherere Weg. Nimm den Schritt, der am klarsten beschrieben ist und am wenigsten Risiko trägt, teste ihn an echten Fällen und nimm erst dann den nächsten dazu.

Lässt sich prüfen, ob die KI einen Schritt richtig erledigt?

Nur wenn du vorher festlegst, woran du ein gutes Ergebnis erkennst. Ein einfaches Kriterium reicht, zum Beispiel, dass alle Rechnungsfelder ohne Korrektur stimmen.

Kostet der Prozess-Check etwas?

Der Check ist kostenlos, du brauchst nur einen Zugang zu Claude oder ChatGPT. Solange du keine Kundendaten eingibst, reicht zum Ausprobieren auch eine kostenlose Version.

Brauche ich technisches Vorwissen?

Nein. Du beschreibst deinen Ablauf so, wie du ihn einem Kollegen am Schreibtisch erklären würdest, und die KI stellt die Fragen. Einen Chat öffnen und Text einfügen genügt.

Darf ich Kundendaten in den Check eingeben?

Für den Check brauchst du keine, es reicht, deinen Ablauf zu beschreiben, etwa „Ich gleiche die Rechnung mit der Bestellung ab“. Sobald echte Kunden- oder Personendaten ins Spiel kommen, gehören sie in einen Business-Account mit Auftragsverarbeitungsvertrag.

Eignet sich jede Aufgabe für den Check?

Am besten funktionieren Aufgaben, die regelmäßig und nach einem ähnlichen Muster ablaufen, zum Beispiel Angebote erstellen, Rechnungen zusammensuchen oder Posts aus Gesprächsnotizen bauen. Einmalige Projekte ohne wiederkehrenden Ablauf kann der Check nicht sinnvoll prüfen.

Automatisiert der Check meine Aufgabe?

Er bereitet sie vor. Der Check prüft, ob deine Aufgabe reif für die KI ist, und liefert dir einen Plan in drei Etappen, in dem die Übergabe an die KI mit Etappe zwei beginnt.

Heißt „nicht bestanden“, dass meine Aufgabe nicht für KI taugt?

Es heißt nur, dass etwas fehlt: Ein Schritt ist zu grob beschrieben, eine Information liegt nur in deinem Kopf, oder eine Regel steht nirgends. Der Check sagt dir, was genau fehlt und wer es klären kann.

Drei Mails zum Prozess-Check

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